Neue Energiedebatte: Wie öko ist Atomstrom?
JUnge Generation!JUnge Generation! - Ausgabe XII / Bettina Blankenburg stellt je drei Argumente im Streit „Pro oder Contra: Kernernergie“ vor

Die Diskussion über Atomausstieg, erneuerbare Energien, Klimawandel und steigende Energiekosten reißt nicht ab. Weltweit erlebt die Kernenergie zurzeit eine Renaissance. Doch hierzulande hält die SPD an dem Ausstieg auf Raten fest, den sie einst zusammen mit den Grünen beschlossen hat. Auch die JU beschäftigt sich mit der Frage, welche positiven Eigenschaften die Atomenergie besitzt und was möglicherweise gegen den Betrieb von Kernkraftwerken spricht.

In Deutschland werden derzeit 17 Kernkraftwerke betrieben, deren Anteil an der Gesamtstromerzeugung im Jahre 2007 rund 22 % betrug. Im internationalen Vergleich belegen deutsche Kernkraftwerke seit vielen Jahren Spitzenpositionen in Sachen Sicherheit, Zuverlässigkeit und Verfügbarkeit. Dennoch wurde in Deutschland im Jahre 2002 durch eine Novellierung des Atomgesetzes der langfristige Ausstieg aus der Atomenergienutzung durchgesetzt. Ist diese Entscheidung richtig oder wäre ein Ausstieg aus dem Ausstieg sinnvoll?

PRO KERNENERGIE

• Atomenergie hilft dem Klima:

Kernkraftwerke stoßen kein CO2 aus. Die Energieerzeugung mittels Kernkraftwerken erspart der Atmosphäre somit etwa 150 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr, welche bei alternativer Stromerzeugung freigesetzt werden würden.

• Atomenergie ist in Deutschland sicher:
Die Sicherheitstechnik entspricht strengen und hohen Anforderungen. Damit Kernkraftwerke in Deutschland eine Genehmigung erhalten, müssen sie zahlreiche Auflagen erfüllen und sich einer Vielzahl von Tests unterziehen.

• Atomenergie sichert die Unabhängigkeit von Rohstoffimporten:
Aufgrund der weltweit steigenden Energienachfrage gewinnt die Frage der Rohstoffvorkommen immer mehr an Gewicht. Die wichtigsten Lieferländer für Uran, nämlich Kanada und Australien, sind politisch stabil und demokratisch. Der Atomausstieg würde zu einem Anstieg der Energieimporte, insbesondere von Steinkohle und Erdgas, führen. Kernenergie ist daher zur Verringerung der Importabhängigkeit unverzichtbar.

CONTRA KERNENERGIE

• Unfälle, Schäden und Störungen:

Unfälle können katastrophale Folgen nach sich ziehen. Wie in Tschernobyl bleiben große Gebiete auf ewig unbenutzbar. Auch für weiter entfernt lebende Menschen sind die Folgen durch eine erhöhte Anzahl von Krebserkrankungen und Missbildungen bei Kindern noch über viele Jahrzehnte gegenwärtig.

• Radioaktive Abfälle:
Abfall aus Kernkraftwerken, zum Beispiel verbrauchte Brennstäbe, sind radioaktiv und müssen zum Teil über hunderttausende Jahre hinweg sicher gelagert werden. Jedoch wird die Entsorgung der hochradioaktiven Brennelemente immer noch als ungesichert angesehen. Der Transport in Castor- und anderen Behältern sei wegen möglicher Unfälle ebenfalls risikobehaftet.

• Gesundheitsgefährdung:
Über diesen Punkt herrscht jedoch keine Einigkeit. Kritiker sind der Meinung, dass die Strahlenbelastung im 5-km-Umkreis eines Kraftwerkes Leukämieerkrankungen hervorrufen kann. Andere meinen jedoch, dass die Strahlenbelastung nicht als Ursache von Krebserkrankungen herangezogen werden kann.

Bettina Blankenburg, 11.10.2008
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