Ob John McCain oder Barack Obama – Es warten die größten Herausforderungen des 21. Jahrhunderts
Bald ist es soweit. Die Vereinigten Staaten von Amerika wählen ihren neuen Präsidenten und es wird, egal welcher der Kandidaten gewinnt, ein Neuanfang. Ein Neuanfang für die USA, ein Neuanfang für die transatlantischen Beziehungen, ein Neuanfang für die deutsche Außenpolitik.
Vor einigen Wochen besuchte Barack Obama, der Präsidentschaftskandidat der Demokraten, Berlin und hielt vor der Siegessäule, bejubelt von über 200.000 Besuchern, eine mitreißende Rede. Er begeistert und er schürt Hoffnungen. Er predigt den Wechsel, er sagt Sätze wie „Yes, we can!“, aber vor allem ist er die personifizierte Hoffnung von Enttäuschten, die jegliches Vertrauen in die Politik verloren haben. Barack Obama begeistert und bewegt.
Das Gegenteil von ihm ist sein Konkurrent, der Republikaner John McCain, welcher bis heute noch im Kalten Krieg zu stecken scheint. Er begeistert nicht, aber auch er bewegt. Dieser „Kalte Krieger“ bewegt die Leute, indem er ihre Ängste anspricht und Lösungen verspricht. Von ihm erwarten sich die Konservativeren eine starke Führung und Lösungen für die dringendsten Probleme in unserer Zeit. Zu diesen gehören zweifellos der Irak und Afghanistan, aber, wie uns erst kürzlich durch den Krieg in Georgien deutlich wurde, auch Russland und natürlich die schwierigen Beziehungen zwischen Europa, den USA und China.
Dieselben Probleme muss auch Obama lösen. Doch das Erstaunlichste ist, dass sich der US-Wahlkampf vor allem mit den internationalen Problemen und nicht mit den drängenden Fragen der Innen- und Wirtschaftspolitik beschäftigt. Die USA sehnen sich nach Anerkennung und derjenige, dem zugetraut wird, den Ruf der USA als Schutzmacht und Freund wiederherzustellen, der wird die Wahl gewinnen und nicht der dominantere Innenpolitiker.
Dadurch ist der Wahlkampf auch für uns besonders interessant, denn auch wir hoffen auf einen Neubeginn der Beziehungen zu den USA, die während der Präsidentschaft George W. Bushs aufgrund dessen Egoismus doch sehr gelitten haben.
Erfreulich ist, dass beide Kandidaten versprochen haben, die Beziehungen zu Europa wieder zu stärken und mehr auf Zusammenarbeit und Diplomatie als auf Konfrontation zu setzen. Ernüchternd ist jedoch, dass wir von beiden auch erwarten dürfen, dass man von allen Partnern mehr militärisches Engagement verlangen wird.
Die Beziehungen werden nicht einfacher, doch sie dürften stärker und partnerschaftlicher werden, als sie es in den letzten acht Jahren waren. Was uns schließlich erwartet, werden wir erst zu Beginn des neuen Jahres wissen, doch eines steht fest:
Vier weitere Jahre der gegenseitigen Blockade kann sich die Welt nicht mehr leisten, denn wir stehen vor Problemen, die nur durch eine Gemeinschaft gelöst werden können und nicht durch eine selbsternannte Weltpolizei à la George W. Bush.
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| Alexander Liebing, 12.10.2008 |