Wenn Bürger und öffentlichen Haushalte den Gürtel enger schnallen, soll auch im teuersten öffentlich-rechtlichen Rundfunk der Welt gespart werden. Die laufende Gebührenerhöhungsrunde muss – wie vom bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber zu Recht gefordert – in den Landtagen gestoppt werden! Alles andere wäre nicht vermittelbar.
Der für die Medienlandschaft in Deutschland unentbehrliche öffentlich-rechtliche Rundfunk muss in seinen umfangreichen Ausbreitungsbemühungen innehalten und zu strukturellen Reformen bereit sein: Es ist zu prüfen, ob angesichts der enormen Medienvielfalt ein Fernseh-Vollprogramm genügt.
Von 1993 bis 2002 stieg das Gebührenaufkommen von 4,4 auf 6,75 Milliarden Euro: Über 70 Hörfunk- und 15 Fernsehprogramme sowie rund 1.700 Musiker in Orchestern und Bigbands sind Folge eines jahrzehntelangen Expansionsdranges. Während Sendungen, die dem Grundversorgungsauftrag dienen, in Spartenprogramme abgeschoben werden, läuft – getreu dem Motto „Quote statt Qualität“ – in den Vollprogrammen vermehrt Unterhaltung, die in der verantwortungslosen ZDF-Ostalgieshow ihren traurigen Höhepunkt fand.
Eine weitere Fehlentwicklung ist die ungenügende Musiktitelvielfalt in den Radioprogrammen: Bei den Öffentlich-Rechtlichen liegt der Neuheiten-Anteil nur bei 14,3 Prozent und ist damit fast drei Prozent niedriger als bei private Radiostationen (media control). Leidtragende sind nicht nur Radiohörer, sondern vor allem junge Nachwuchskünstler, die es so schwer wie nie haben.
Selbstbeschränkung der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten und Rückbesinnung auf den Grundversorgungsauftrag würde dem Erhalt des dualen Rundfunksystems in Deutschland dienen.
|
| Georg Milde, 04.11.2003 |
|